17. Januar 2023

ZHAW-Studie zeigt aktuelle Trends der Nachhaltigkeitsberichte in der Schweiz

Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gingen im Auftrag von Polarstern der Frage nach, welche Trends in Bezug auf Inhalt, Form und Konformität aktuell die Landschaft der Nachhaltigkeits­berichterstattung in der Schweiz prägen. Untersucht und verglichen wurden Berichte von Schweizer Grossunternehmen. Ergänzt wurde diese Felduntersuchung durch eine Literaturrecherche.

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Im Rahmen des Moduls Corporate Responsibility führt die ZHAW School of Management and Law alljährlich sogenannte Students Business Projects durch. Wir nutzten diese Chance und formulierten eine Fragestellung für eine Gruppe von Studierenden des Studiengangs International Managements. Das achtköpfige Team untersuchte während des Herbstsemesters 2022 in unserem Auftrag die aktuellen Trends im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung, in Bezug auf Inhalt, Form und Compliance mit Standards.

Aufgrund der neuen Berichtspflicht über Umwelt- und Sozialbelange für grosse Unternehmen in der Schweiz sowie der verschärften Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU erfährt die Nachhaltigkeitsberichterstattung zurzeit starken Aufwind. Entsprechend erhalten wir vermehrt Anfragen von Unternehmen, die motiviert sind, über ihre Nachhaltigkeitsziele und -fortschritte zu berichten, jedoch selbst nicht über genügend Ressourcen und Know-how verfügen, um einen Nachhaltigkeitsbericht ausschliesslich mit den eigenen Mitarbeitenden zu stemmen. Für die Beratung dieser Unternehmen bilden die Resultate der ZHAW-Studie eine wertvolle Basis.

 

SDGs – ein dankbares Rahmenwerk

In Bezug auf inhaltliche Trends in Nachhaltigkeitsberichten stellt die Studie der ZHAW eine klare Tendenz Richtung Fortschrittsbericht fest. Strategische Ziele werden auf konkrete Ziele heruntergebrochen und mittels Leistungsindikatoren – typischerweise KPIs (Key Performance Indicators) genannt – quantifiziert. Der Fortschritt wird anhand dieser KPIs in den meist jährlichen Nachhaltigkeitsberichten ausgewiesen. Ein Stillstand oder Rückschritt in Bezug auf die definierten Ziele wird begründet. Ein weiterer klar erkennbarer Trend ist die Zuordnung der Nachhaltigkeitsthemen zu den SDGs (Sustainable Development Goals, weitere Infos siehe unten). Viele Unternehmen gehen gar über eine Assoziation hinaus und orientieren sich in der Struktur ihres Berichts an den SDGs. Die Studierenden schlussfolgerten, dass die SDGs den Unternehmen ein klares Rahmenwerk zur Systematisierung ihrer Inhalte geben, welches in diesem Bereich trotz vieler Standards bis heute fehlt.

 

Form – die grosse Unbekannte

Die Studie vermochte keinen eindeutigen Trend aufzuzeigen, ob Nachhaltigkeitsberichte separat oder kombiniert mit Geschäftsberichten publiziert werden. Während die Literaturrecherche einen leichten Trend Richtung Kombination von Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht aufzeigte, rapportierten alle in der Studie untersuchten Schweizer Grossunternehmen in einem separaten Bericht über ihre nichtfinanziellen Belange. Die Autor:innen der Studie merkten an, dass ein kombinierter Bericht zwar im Sinne der gewünschten ganzheitlichen Betrachtungsweise der Geschäftstätigkeit sei, dass ab einer gewissen Seitenanzahl zwei kleinere, separate Berichte jedoch lesefreundlicher seien als ein grosser kombinierter. Auch betreffend Digitalisierung der Nachhaltigkeitsberichte konnte die Studie kein eindeutiges Bild zeichnen. Es bleibt unklar, ob die Berichte künftig eher direkt auf der Website abgebildet werden anstatt in Form eines PDFs oder ob dies eher eine zusätzliche Dienstleistung darstellen wird. Die Studierenden raten in ihren Empfehlungen von einem Ersatz des PDFs durch HTML ab, da Websitentexte weniger statisch sind und so schnell der Verdacht aufkommen könnte, dass der Bericht nachträglich angepasst wurde.

 

GRI – die unangefochtene Nummer 1

Im Hinblick auf die Anwendung von Standards ergab die Studie ein eindeutiges Bild. Die Feld- als auch die Literaturrecherche zeigten, dass für grosse Unternehmen zurzeit fast kein Weg an GRI (Global Reporting Initiative, weitere Infos s. unten) vorbeiführt. 73 % der weltweit grössten Unternehmen und alle von der Studie beachteten Schweizer Grossunternehmen rapportieren gemäss GRI. Teilweise werden zusätzlich weitere Standards beachtet. Es bleibt abzuwarten, ob der Erfolg von GRI, trotz dem Pflicht-Standard, den die verschärfte EU-Richtlinie vorsieht, in Europa ungebrochen weitergehen wird. Sicher ist, dass der EU-Standard und GRI kompatibel sind. Ob das Rapportieren nach beiden Standards für ausschliesslich in Europa tätige Unternehmen einen Mehrwert bietet, wird die Zukunft zeigen.

 

Auditierung – ein Zusatzpunkt für Transparenz

Schlussendlich identifizierten die Studierenden einen weiteren beachtenswerten Trend: Künftig wird voraussichtlich (unter anderem auch wegen der EU-Richtlinie) vermehrt eine Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts durch eine unabhängige dritte Stelle verlangt. Die Validierung durch eine externe Stelle wird insbesondere auch aufgrund des wachsenden Bewusstseins bezüglich Greenwashing künftig noch relevanter.

 

Die Studie der ZHAW liefert uns einen guten Einblick in die Entwicklungen in Bezug auf Inhalt, Form und Konformität der Nachhaltigkeitsberichte. Aufgrund der wachsenden Anforderungen des Gesetzgebers als auch der Stakeholder (insbesondere der Kund:innen und Investor:innen) entwickelt sich die Landschaft der Nachhaltigkeitsberichte zurzeit in hohem Tempo weiter. Gespannt verfolgen wir die Entwicklung weiter und versuchen sie in Richtung einer ehrlichen, verständlichen und attraktiven Berichterstattung mitzuprägen.

Weitere Informationen

Mehr zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

Die Agenda 2030 entspringt der Resolution «Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung» und wurde am 25.09.2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Sie dient dem Ziel, die grossen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen. 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) dienen dazu, diese global zu lösen. Auf nationaler Ebene wurden daraus verschiedene Ziele abgeleitet. Das Monitoring des Bundesamts für Statistik zeigt, inwiefern die Ziele in der Schweiz umgesetzt werden. Weitere Infos: Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

 

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