25. Januar 2022

Bringt die Pandemie Schweizer Nachhaltigkeitsbemühungen unter Druck?

Die Corona-Krise führt bei vielen Unternehmen zu grossen Unsicherheiten. Studierende der ZHAW gingen nun der Frage nach, ob die Pandemie negative Auswirkungen auf die Nachhaltigkeitsbemühungen von Schweizer Unternehmen hat.

In den Jahren vor der Pandemie gewann die Umweltbewegung an Schwung: Das Pariser Klimaabkommen von 2015 verlangt die dringend nötige Umstrukturierung von Gesellschaft und Wirtschaft, damit die globale Klimaerwärmung idealerweise auf 1,5 Grad begrenzt werden kann. Dies verlangt gerade von Unternehmen grosse Bemühungen und Investitionen.

Doch die Coronakrise legte diese Anstrengungen – zumindest im Ausland – kurzfristig auf Eis: In einer Studie von Deloitte wurden diverse Führungskräfte zu ökologischen Nachhaltigkeitsbemühungen befragt. Rund zwei Drittel gaben an, aufgrund der Pandemie grosse Abstriche in diesem Bereich gemacht zu haben. Dies, obwohl ein Grossteil der Unternehmen über die Auswirkungen des Klimawandels besorgt ist.

 

Doch wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Führte die Pandemie zu einem Zwischenstopp – oder gar einem Marschhalt in den unternehmerischen Nachhaltigkeitsbemühungen? Eine Arbeit von Studierenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW ging dieser Frage im Auftrag von Polarstern nach.

 

Unternehmen bekräftigen gute Absichten

Befragt wurden 27 mittlere (10 bis 250 Mitarbeitende) und grosse (über 250 Mitarbeitende) Schweizer Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Hier klingt es weit positiver als die Deloitte-Studie vermuten lässt: Knapp 85 Prozent der befragten Unternehmen betonten, dass die Pandemie die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht in den Hintergrund rücken liess. Und auch bei den restlichen Betrieben war kein Pausieren oder gar ein Übungsabbruch festzustellen, sie wollten sich bei dieser Frage nur nicht auf eine klare Antwort festlegen. Es fand sich in der Umfrage folglich kein Unternehmen, das seine Anstrengungen aufgrund der Pandemie tatsächlich verringert hat.

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Nachhaltigkeitskommunikation wird wichtiger

Dies hat auch mit der Nachfrage zu tun, denn der Einsatz für Mensch und Umwelt wird bei der Kundschaft immer wichtiger: Mit 88 Prozent gab eine grosse Mehrheit der befragten Betriebe an, dass eine Nachhaltigkeitsstrategie in Zukunft ein essenzielles Verkaufsargument werde. 84 Prozent der Unternehmen wollen deshalb ihre Nachhaltigkeitsbemühungen künftig steigern.

 

Diese Anstrengungen müssen zudem offen und transparent kommuniziert werden, damit die Kundschaft ein Unternehmen als ehrlich engagiert erkennen kann. Drei Viertel der Betriebe gibt denn auch an, ihre Kund:innen würden eine klar formulierte Nachhaltigkeitsstrategie mit definierten Zielen verlangen. Trotz der Unsicherheiten, welche die Pandemie geschaffen hat, werden die Nachhaltigkeitsbemühungen von Schweizer Unternehmen deshalb eher zunehmen.

 

26 der 27 befragten Unternehmen weisen bereits eine für Nachhaltigkeit verantwortliche Person, ein Team oder sogar eine Abteilung auf. Zudem arbeiten die meisten Unternehmen mit externen Fachstellen zusammen, um ihre Nachhaltigkeitskommunikation zu verbessern. Trotzdem, so die Studierenden in ihrem Bericht, ist auch in diesem Bereich noch immer eine Zunahme der Anstrengungen zu erwarten.

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CO2-Ausstoss ist zentral

Der eigene CO2-Ausstoss ist der wichtigste Faktor in den Nachhaltigkeitsstrategien der Unternehmen. Da auch das Pariser Klimaabkommen eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030 verlangt, macht der Fokus auf eine rasche Umstellung auf einen klimasensiblen Betrieb Sinn. Die transparente Kommunikation der Entwicklung der betrieblichen CO2-Emissionen sollten deshalb auch für die Nachhaltigkeitskommunikation im Zentrum stehen.

 

Die Ergebnisse der ZHAW-Studierenden folgen den Erkenntnissen, welche Deloitte kürzlich in in ihrem Nachhaltigkeitsreport 2022 für den Schweizer Markt präsentiert hat. Darin bestätigt das Prüfungs- und Beratungsunternehmen, dass die Schweizer Führungskräfte den Klimawandel ernst nehmen und dass das Kundenbedürfnis nach klaren Nachhaltigkeitszielen und -strategien zunimmt. Die Betriebe wissen also, dass sie gut daran tun, trotz unsicheren Zeiten, in die Nachhaltigkeit zu investieren – und diese Anstrengungen fachgerecht zu kommunizieren.

 

Der Artikel wurde nach Veröffentlichung um die Angaben aus dem Deloitte Nachhaltigkeitsreport 2022 ergänzt.

 

Erfahren Sie mehr über Polarstern und unseren Erfahrungen mit Nachhaltigkeitsthemen.

Über die aktuellen Nachhaltigkeitsbemühungen

Um die globale Klimaerwärmung auf 1.5 Grad Celsius begrenzen zu können, braucht es klare Ziele. Dies können beispielsweise die 17 SDGs (Sustainable Development Goals) sein. Die Pandemie rückte jedoch leider viele dieser Ziele in den Hintergrund. So haben laut Deloitte zwei Drittel diverser Führungskräfte angegeben, dass sie aufgrund der Pandemie gewisse Nachhaltigkeitsbemühungen vernachlässigt haben. Auf dem Schweizer Markt sieht es. laut der ZHAW, jedoch etwas anders aus. Laut ihnen nehmen Schweizer Firmen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen auch während der Pandemie sehr ernst, was eine weitere Studie von Deloitte unterstützt.

 

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